Alejandro
G. Iñárritu

Rolex und die Welt des Kinos

scroll-down

Alejandro G. Iñárritu ist für seine Beobachtung menschlichen Verhaltens und seinen visuellen Stil bekannt, die ihn als einen Filmemacher etabliert haben, mit dem auch in Zukunft zu rechnen ist.

Erforscher
des menschlichen
Verhaltens

Seine beiden gewonnenen Oscars® für die Beste Regie stellen den mexikanischen Filmemacher auf eine Stufe mit Hollywood-Legenden wie John Ford und Joseph L. Mankiewicz und sichern ihm einen Platz in der Filmgeschichte zu.

Iñárritus Debütfilm, das Drama Amores Perros aus dem Jahr 2000, war ebenso wie Biutiful (2010), der zweite Film, den er in seiner spanischen Muttersprache realisierte, für den Oscar® als Bester Fremdsprachiger Film nominiert. Der Film Babel aus dem Jahr 2006, der in vier verschiedenen Ländern auf drei Kontinenten und in vier verschiedenen Sprachen spielt, wurde sieben Mal für den Oscar nominiert.

2014 führte Iñárritu Regie und war Co-Autor für seine erste Komödie, Birdman. Der Film erhielt neun Oscar-Nominierungen und gewann vier Oscars®, drei davon gingen an Iñárritu. 2016 gewann er einen weiteren Academy Award für The Revenant – Der Rückkehrer und wurde damit zum erst dritten Regisseur der Filmgeschichte, der den Oscar® für die Beste Regie zweimal in Folge gewinnen konnte. Insgesamt war der Film für 12 Oscars nominiert.

Die letzte Arbeit des Regisseurs, CARNE y ARENA (Virtually present, Physically invisible), ist eine konzeptionelle Virtual-Reality-Installation, die es Zuschauern ermöglicht, die persönlichen Erfahrungen von Flüchtlingen zumindest teilweise mitzuerleben. Bei den Governors Awards 2017 wurde das Werk mit einem Ehren-Oscar® ausgezeichnet. Iñárritus Filme zeichnen sich häufig durch miteinander verbundene Geschichten und eine nichtlineare Erzählstruktur aus – eine Welt, in der die Zeit erzeugt wird und eine Hauptrolle spielt.

Das Interview

Was bedeutet für Sie persönlich die Vorstellung, Exzellenz zu schaffen, die die Zeit überdauert?

Das Einzige, was in einem Kunstwerk, einem einzigartigen persönlichen und menschlichen Ausdruck, von Dauer sein kann, ist die Art und Weise, wie sich dieses Werk verändert.

Die Wahrnehmung des Werks wird sich stets weiterentwickeln, abhängig davon, zu welchem Zeitpunkt und von wem es gesehen wird. Ein Film als Kunstwerk ist etwas Lebendiges, das sich ständig wandelt. Ein Film verändert sich durch jeden, der ihn ansieht, dadurch, dass er auf jeden anders wirkt. Das einzig Dauerhafte ist die Verwandlung des Werks durch die Menschen, die das Werk erleben.

Haben Sie eine Philosophie, die Ihre Arbeitsweise inspiriert oder beeinflusst?

Ich bin Autodidakt und habe stets meiner Intuition gehorcht und bin dieser gefolgt. Intuition ist einfach Wissen ohne Informationen oder Daten. Sie ist rein, sie ist reines Wissen; sie ist die Weisheit, die wir alle in uns haben.

Inwiefern stellen Sie sich selbst vor neue Herausforderungen? Und wie schaffen Sie es, originell zu bleiben und dabei gleichzeitig Ihre persönlichen Grenzen zu überschreiten?

Meiner Meinung nach geht es weniger um Herausforderungen, sondern darum, sich selbst treu zu bleiben. Ich glaube, das ist die wichtigste Grenze, gegen die man stets von Neuem anarbeiten muss. Denn wenn man sich selbst treu bleibt, wenn man seiner eigenen Sichtweise gegenüber loyal ist, entsteht die Originalität von ganz allein.

Jeder kann mit anderen teilen, wie und in welcher Form er eine bestimmte Lebensweise hier auf diesem Planeten erlebt oder interpretiert hat, eine Lebensweise, die nur zu diesem Zeitpunkt und nur an diesem Ort möglich war und nicht wiederholt werden kann. Diese Originalität besitzt jeder. Die Frage ist nun: Wie kann man diese Erfahrung zum Ausdruck bringen? Wie findet man eine Sprache, um diese Erfahrung zu teilen?

Es gibt Filme, die von jedem gemacht werden könnten, und den einen, der nur von Euch gemacht werden kann.

Was sollten junge Filmemacher idealerweise von Ihrer Arbeit lernen und wie unterstützen Sie die neue Generation aufstrebender Filmemacher?

Meiner Meinung nach gibt es aktuell viele wichtige und positive Entwicklungen, die jungen Filmemachern zugutekommen. Das war in meiner Generation noch anders. Damals hatte man das Gefühl, das eigene Schicksal sei bereits besiegelt, je nachdem, wo man geboren wurde. Die Sprache war eine große Barriere, und ganz abgesehen von der Sprache fehlte es an Plattformen, die einem Zugang zu einer großen Anzahl und Vielfalt an Filmen aus der ganzen Welt geboten hätten. Unser Wissen war viel beschränkter.

Heutzutage haben junge Menschen dank dieser Plattformen Zugang zum Weltkino und es gibt keinerlei Beschränkungen mehr. Sie haben auch keine vorgefasste Meinung darüber, wie sie sich in der Welt künstlerisch ausdrücken sollen – mit ihrer Sprache, ihren Traditionen und den vielen Dingen, die sie einzigartig machen. Aus diesen Vorteilen können sie Stärke ziehen, genau wie aus ihrer Kenntnis und dem heute verfügbaren Wissen über das internationale Filmschaffen, das ihnen Flügel verleiht. Dass es heutzutage nicht nur die technischen Möglichkeiten gibt, um Filme zu drehen, sondern auch unterschiedlichste Kanäle, um seine Filme auf verschiedenen Plattformen bekannt zu machen, ist meiner Meinung nach ein großer Vorteil, den junge Filmschaffende in beeindruckender Weise nutzen.

Überwindet die Vernunft und folgt Eurer Intuition.

Was ist Ihre Verantwortung als Filmemacher?

Die Verantwortung besteht darin, jeden Film, den ich drehe, so gut wie möglich zu machen. Als Filme­macher ist man meiner Meinung nach ausschließlich sich selbst verpflichtet. Damit meine ich, sich selbst treu zu bleiben und ehrlich zu sich selbst zu sein. Außerdem glaube ich, dass das Wichtigste ist, seine Grenzen zu akzeptieren; sie zu finden und anzunehmen. Natürlich auch seine Stärken, aber vor allem seine Grenzen. Dann kann man mit den Möglichkeiten, die man mitbringt, kreativ arbeiten. Nicht mit den Talenten, die man gern hätte, sondern mit den Voraussetzungen, die man besitzt.

Die Rolex
Mentor und Meisterschüler
Initiative

Iñárritu fungierte als Mentor bei der Rolex Mentor und Meisterschüler Initiative 2014-2015. In diesem Rahmen lud er seinen Meisterschüler, den jungen israelischen Regisseur Tom Shoval, ans Set von The Revenant – Der Rückkehrer ein und demonstrierte ihm dort die „unendlichen Möglichkeiten“ des Filmemachens.

Diese Seite empfehlen