Call to Earth

Kerstin Forsberg über die Notwendigkeit, unsere Meere zu schützen

(CNN) – Schon als Kind war Kerstin Forsberg vom Meer fasziniert.

Die peruanische Biologin beteiligte sich nach Abschluss ihres Studiums zunächst an einem Projekt zum Schutz von Meeres­schildkröten im Norden des Landes.

Von Nell Lewis, CNN
Veröffentlicht: Mai 2021icon-clockLesezeit: 2 min 43 s

Zwei Jahre später, im Jahr 2009, gründete Forsberg „Planeta Océano“, eine Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die lokale Bevölkerung beim Schutz des Ozeans zu unterstützen. Der Einsatz der Organisation für die Riesenmantas führte schließlich dazu, dass die peruanische Regierung diese Art gesetzlich unter Schutz stellte.

Im Rahmen von Call to Earth berichtet CNN über Umweltprobleme, die unseren Planeten betreffen, und präsentiert gleichzeitig Lösungen. Bei der Call to Earth Reihe zum Thema „Ozean“ wird Forsberg als Gast­redakteurin mitwirken, ihr Fachwissen zur Verfügung stellen und Beiträge zu diesem Thema in Auftrag geben.
CNN sprach mit Forsberg über ihre Leidenschaft für den Ozean, seine Bedeutung für die Menschheit und die Schritte, die wir unternehmen müssen, um ihn gesund zu erhalten.

Das folgende Interview wurde aus Gründen der Länge und Verständlichkeit bearbeitet.


CNN: Woher kommt Ihre Leidenschaft für das Meer?

Kerstin Forsberg: Ich habe immer nah an der Küste gelebt. Ich stamme aus der peruanischen Hauptstadt Lima, die direkt am Meer liegt. Als ich drei Jahre alt war, zogen meine Eltern nach Vancouver in Kanada, das auch an der Küste liegt. Meine Eltern haben auf diese Liebe zu unserer Umgebung und Umwelt großen Wert gelegt. Die Leidenschaft, die ich schon als Kind spürte, dieses aufrichtige Interesse für die Umwelt und die Sorge um sie haben mich während meines ganzen Studiums und im Laufe meines Erwachsen­werdens begleitet.

CNN: Sie haben sich Ihr ganzes Erwachsenen­leben lang für den Schutz des Meeres eingesetzt. Warum ist es Ihnen ein solches Anliegen, das Meer zu schützen?

Kerstin Forsberg: Es gibt viele Gründe, warum wir das Meer schützen sollten. Zunächst einmal, weil es einfach das wichtigste lebens­erhaltende System unseres Planeten ist. Keiner von uns könnte heute hier auf diesem Planeten existieren, wenn es keine Ozeane geben würde. Sie liefern uns über 70 % des Sauerstoffs, den wir atmen. Sie bescheren uns ein Klima, das den Planeten bewohnbar macht. Sie versorgen uns mit Ressourcen für den Lebensunterhalt, für eine Existenz.

Mit 22 Jahren, nach meinem Bachelor­abschluss in Biologie, habe ich ein sehr kleines Gemeinschafts­projekt zum Schutz bedrohter Meeres­schildkröten im Norden Perus ins Leben gerufen. Innerhalb eines Monats meldeten über 100 lokale Freiwillige gestrandete Meeres­schildkröten, und Fischer berichteten von Tieren, die sich in ihren Fischernetzen verfangen hatten. Es hat mir wirklich gezeigt, wie sehr Gemeinschaften davon abhängig sind, dass das Meer gesund ist.

CNN: Warum haben Sie Planeta Océano gegründet und welche Aufgabe hat die Organisation?

Kerstin Forsberg: Für mich wurden die Meeres­schildkröten gewissermaßen zur Spitze des Eisbergs. Es gab noch so viel mehr zu tun. Obwohl mein Projekt sich dem Ende näherte, fühlte ich die eindeutige Verantwortung, mehr zu tun, und so entstand Planeta Océano. Die Organisation bringt Menschen zusammen und unterstützt sie beim Schutz des marinen Lebensraums. Unsere Schwerpunkte liegen dabei auf Forschung, Bildung und nachhaltiger Entwicklung.

Die Arbeit im Bereich Bildung zielt darauf ab, das Wissen über die Ozeane und die Meereskunde in Schulen zu fördern. Wir haben das Marine Educators Network gegründet, an dem sich im Laufe der Jahre über 50 lokale Schulen in Peru beteiligt haben. Es vermittelt Lehrenden, wie sie gemeinsam mit den Jugendlichen Lösungen für jene ökologischen Heraus­forderungen entwickeln können, die es in ihren küstennahen Gemeinden gibt.

Aber Forschung und Bildung allein sind nicht genug. Man muss über kreative Lösungen nachdenken, welche zum Lebensunterhalt dieser verarmten Gemeinschaften beitragen und den Kleinfischern Alternativen bieten. Wir haben beispielsweise mit Fischerinnen und Fischern zusammen­gearbeitet, um einen Ökotourismus für Mantarochen und einen gemeinde­basierten Ökotourismus aufzubauen. Diese bieten den Fischern nicht nur eine Möglichkeit, zum Umweltschutz beizutragen, sondern sorgen auch für eine zusätzliche Einkommens­quelle, die ihnen und ihren Gemeinschaften wirklich zugutekommt.

CNN: Erzählen Sie uns doch von Ihrer Arbeit mit Riesenmantas. Warum ist diese Art gefährdet und warum haben Sie beschlossen, Ihre Arbeit auf diese Spezies zu konzentrieren?

Kerstin Forsberg: In der Vergangenheit war der Schutz von Mantarochen in Peru nicht von Bedeutung. Sie waren nicht gesetzlich geschützt, ihr Schutz hatte weder für die Regierung noch für die Wissenschaft oder die Bevölkerung Priorität. Sie wurden gejagt.

Zusammen mit Fischern und Freiwilligen vor Ort sowie lokalen und internationalen Partnern starteten wir eine kleine Forschungs­studie, um die Sterblichkeit von Mantarochen zu untersuchen. Und wir fanden über ein Dutzend Mantarochen, die in weniger als einem Jahr von lokalen Fischern gefangen worden waren. Diese Zahl ist zwar recht klein, aber dennoch äußerst besorgnis­erregend: Mantarochen leben typischerweise in kleinen Populationen und pflanzen sich nur sehr langsam fort. Sie bekommen nur alle zwei bis sieben Jahre ein Junges. Es handelte sich also um eine Art, die durch die kontinuierliche Überfischung wirklich bedroht und gefährdet sein könnte.

Wenn wir gewährleisten wollen, dass das Meer gesund ist, müssen wir an all die verschiedenen Spezies denken, die dort leben. Sobald wir mit diesen charismatischen Arten arbeiten und sie verstehen, wird uns das dazu bringen, dass wir uns für den Ozean als Ganzes engagieren wollen. Wenn man sich für Riesenmantas interessiert, möchte man, dass sie in einem gesunden Ozean leben und wir mit ihnen auch einen gesunden Ozean teilen.

CNN: Welche kritischen Probleme bedrohen das Meer im Moment und welche Schritte müssen weltweit für seinen Schutz unternommen werden?

Kerstin Forsberg: Es gibt so viele Dinge, die das Meer derzeit vor eine Heraus­forderung stellen, aber um es vereinfacht auszudrücken: Zum einen ist es all das, was wir ins Meer hineinkippen. Wir werfen all unseren Müll hinein, einschließlich Einwegartikel aus Kunststoff und Mikroplastik.

Neben dieser Verschmutzung ist es zum anderen auch all das, was wir aus dem Meer herausholen – die nicht nachhaltige, illegale oder nicht gemeldete Fischerei. Das Bewusstsein der Verbraucher­innen und Verbraucher darüber, was sie essen und die Nach­verfolgbarkeit dieser Lebensmittel, ist sehr gering.

Hinzu kommen die Bedrohungen durch den Klimawandel – zum Beispiel, dass sich Lebensräume verändern und Arten abwandern müssen oder dass die Übersäuerung der Ozeane Korallenriffe und Mangroven beeinträchtigt. Ich meine, die Menschen müssen begreifen, dass sie sich alle beteiligen können, egal welche Rolle sie spielen. Dies betrifft nicht nur die Wissenschaft, Regierungen oder Unternehmen, es geht darum, dass alle miteinander sprechen und Fortschritte machen.

CNN: Was ist nach Ihrer Ansicht der Schlüssel zu einem dauerhaften Umweltschutz?

Kerstin Forsberg: Wenn man zum Schutz der Meere beitragen möchte, dreht sich wirklich alles um die Unterstützung der lokalen Bevölkerung und die Schaffung von Eigentum. Die Menschen stehen im Mittelpunkt. Natürlich ist es unerlässlich, dass es eine entsprechende Politik, die Durchsetzung von Maßnahmen und Regulierung gibt; nachhaltige Wirtschafts­formen und Wissenschaft sind ebenso unerlässlich. Aber es geht darum, die verschiedenen Bereiche der Gesellschaft zu betrachten und herauszufinden, wie jede und jeder einen Beitrag leisten kann.

Unsere Umwelt steht vor so vielen verschiedenen Herausforderungen, dass es wirklich maßgeblich ist, Lösungen von einer umfassenden Perspektive aus zu betrachten, um zu gewährleisten, dass die Stimme der lokalen Bevölkerung gehört wird und sie die Möglichkeit hat, einen Wandel zu bewirken. Wenn wir über die Meeresumwelt sprechen, dann geht es um die lokalen Fischerinnen und Fischer, die jeden Tag ihren Blick über das Wasser gleiten lassen. Es geht darum, die Dinge aus ihrer Sicht zu verstehen und zu betrachten. Es geht darum zuzuhören.

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