Sara SaeedDurch die Telemedizin Patienten in Pakistan mit von zuhause arbeitenden Ärztinnen verbinden

Veröffentlicht: 2019clockLesezeit: 1min 59s
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In den zerklüfteten Bergen Pakistans sind Ärzte eine Seltenheit und viele Familien leiden unter mangelnder medizinischer Versorgung, während es in den Städten tausende qualifizierte Ärztinnen gibt, die zuhause bleiben, weil sie ihrem Beruf nicht nachgehen können. Die pakistanische Ärztin Sara Saeed ist beide Probleme mit ein wenig digitaler Magie angegangen, um eine Lösung des 21. Jahrhunderts zur Gesundheits­versorgung zu erschaffen, die möglicherweise in vielen entlegenen Gemeinden auf der ganzen Welt funktionieren kann.

OrtPakistan

Saeed ist Mitgründerin und Chief Executive von Sehat Kahani, einem Gesundheitsdienst, der Ärztinnen, die nach ihrer Heirat zuhause bleiben und nicht mehr praktizieren, über ein günstiges elektronisches Gesundheitsnetzwerk (e-health) mit Menschen in unterversorgten Gebieten verbindet.

Gegenwärtig kann jeder Zweite in ländlichen und einkommens­­schwachen Regionen keine medizinische Grundversorgung erhalten. In Pakistan gibt es 170.000 Ärzte, davon 63 Prozent Frauen, von denen nur 23 Prozent nach der Heirat erwerbstätig sind, weil sie sich um die Familie kümmern müssen oder in Haushalten leben, wo Frauen nur daheim arbeiten dürfen.

„Das ist das Phänomen der sognannten ‚Arzt-Bräute‘“, erklärt Saeed. „Viele Ärztinnen arbeiten nach ihrem Berufsabschluss nicht. Stattdessen werden sie ‚Arzt-Bräute‘ und bleiben zuhause bei ihrer Familie.“

Pakistans Bevölkerung liegt bei 200 Millionen Menschen – die Hälfte dieser Menschen verfügt über keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung.

Sara Saeed

„Wir schaffen für diese Ärztinnen wieder eine Erwerbstätigkeit im Rahmen der kulturellen Barrieren, die es in Pakistan gibt, und bringen sie mithilfe digitaler Technologie mit Patienten in ländlichen und einkommens­schwachen Regionen in Kontakt.“

Die Idee dazu hatte Saeed nach der Geburt ihres ersten Kindes, als sie in einer neuen Stadt lebte und wegen der Betreuung ihrer Tochter nicht arbeiten gehen konnte. Sie erfuhr am eigenen Leib, wie sich „Arzt-Bräute“ fühlen müssen, die ans Haus gefesselt sind, aber immer noch willens und in der Lage sind, ihre Kenntnisse anzuwenden.

Saeed hat über E-Hubs ein Netzwerk von E-Gesundheitskliniken aufgebaut, in denen Krankenschwestern als Mittler fungieren und Patienten in ländlichen und einkommensschwachen Regionen bei der Fernkonsultation von Ärzten unterstützen, damit sie in den Genuss des kompletten Spektrums der medizinischen Erstversorgung kommen, wozu auch die Überweisung an tertiäre Gesundheitsversorger zählt. Und jeder, der einer Gesundheitsberatung bedarf, kann auf eine mobile Anwendung zugreifen. Zudem sorgen Frauen der Gemeinde, die in Kliniken ausgebildet wurden und von Tür zu Tür gehen, für die Gesundheitsvorsorge. Ein Ziel, das Saeed besonders am Herzen liegt, ist die Senkung der Mütter- und Kindersterblichkeit.

Aktuell verfügt Sehat Kahani über 26 E-Kliniken in ganz Pakistan, die seit 2017 insgesamt 120.000 Patienten betreut haben. Dieses Versorger­netzwerk bringt 1.500 Ärztinnen und mehr als 108 Krankenschwestern, weibliche Fachkräfte im Gesundheitswesen und Koordinatoren zusammen. Vor kurzem wurden auch in den USA und Neuseeland lebende pakistanische Ärztinnen in das Netzwerk eingebunden, wodurch der Gesundheits­dienst nun rund um die Uhr zur Verfügung steht. Die mobile Anwendung zählt momentan über 10.000 Unternehmens­angestellte und Verbraucher zu ihren Benutzern und stellt die gesundheitliche Erstversorgung sicher, wann immer sie gebraucht wird.

Saeed plant, ihr Netzwerk auf 100 E-Kliniken und die Nutzung der mobilen Anwendung auf das ganze Land auszudehnen, um bis 2023 nicht weniger als zehn Millionen Menschen eine erschwingliche Gesundheitsversorgung bieten zu können. Sie möchte mithelfen, die Todesfälle im Zusammenhang mit Geburten um 30 Prozent und die Anzahl übertragbarer sowie nicht übertragbarer Erkrankungen um 40 Prozent zu senken.

Das Ergebnis ist ein Modell, das nicht nur Leben rettet und bezahlbare Betreuung bietet, sondern qualifizierten Frauen auch ermöglicht, ihr volles Potenzial zu entfalten.

„Wenn Sie in eine Gemeinde kommen, wo im Umkreis von 20 oder 30 Kilometern kein Arzt verfügbar ist und die Menschen einen halben Monatslohn aufbringen müssen, um einen Arzt zu konsultieren und die Grundversorgung zu erhalten, grenzt es schon fast an Zauberei, wenn Sie einer Krankenschwester durch Technologie ermöglichen, einen Patienten online mit einem Arzt in Australien, Kanada oder irgendwo in Pakistan zu verbinden. Das sind die schönen Augenblicke, die uns tagtäglich motivieren“, sagt sie.

  • 170.000

    Ärzte in Pakistan

  • 107.000

    Ärztinnen

  • Nur 23 %

    kehren nach ihrer Heirat zurück ins Berufsleben

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