Call to Earth

Wie der Klimawandel Patagonien verändert hat

Forschungs­mission in Bildern: Wie der Klimawandel Patagonien verändert hat
(CNN) – Der chilenische Forscher und Fotograf Christian Donoso hat mehr als zwei Jahrzehnte damit verbracht, die Wildnis in Patagonien, in der Arktis und Antarktis zu erkunden, um mit seinen Bildern die Auswirkungen des Klimawandels festzuhalten.

von Hazel Pfeifer; Video von Stefanie Blendis, CNN
Veröffentlicht: August 2020icon-clockLesezeit: 2 min 2 s

Donosos Forschungs­­karriere nahm 1996 zwischen den schroffen Bergen, hoch­aufragenden Gletschern und wind­gepeitschten Fjorden Patagoniens ihren Anfang. Die Herausforderung, die das Überleben hier darstellte, ließ in ihm eine innige Zuneigung für diese Landschaft entstehen.
„Wenn man auf einer Expedition ist, braucht man eine enge Verbindung mit der Natur. Man muss seine Sinne ganz öffnen, denn davon hängt das Überleben ab“, erklärt er. „Und in diesem Kampf ums Überleben entwickelt man ein tiefes Bewusstsein für die Natur, man kommt ins Staunen und man spürt mit seiner Seele, dass das hier etwas Außer­gewöhnliches ist.“

Der preisgekrönte Navigator, Bergsteiger und Filmemacher Donoso hat über 50 Expeditionen zu einigen der abgelegensten und unberührtesten Orte der Welt unternommen. Indem er Transportmittel benutzt, die vom Menschen oder vom Wind mit Energie versorgt werden – wie Segelboot, Kajak oder Ski –, begrenzt er die Kohlenstoff­emissionen und Umwelt­belastung seiner Reisen auf ein Minimum.
Im Januar machte sich Donoso zu einer Expedition namens „Forgotten Footsteps“ auf, welche die Reise des Forschers und Künstlers Rockwell Kent im frühen 20. Jahrhundert zur Tierra del Fuego in Patagonien nachzeichnet. Die schneebedeckten Berge und majestätischen Gletscher auf den Gemälden des Amerikaners stehen im krassen Gegensatz zu Donosos aktuellen Bildern dieser Landschaften, auf denen die dramatische Auswirkung der globalen Erwärmung auf die vereisten Gipfel und Fjorde deutlich zu erkennen ist.

Christian Donoso in Bahia Blanca in Patagonien, auf seiner jüngsten Expedition, bei der er sich auf die Spuren des amerikanischen Künstlers und Forschers Rockwell Kent begibt.

Patagoniens Eisfelder, die sich hunderte von Kilometern quer durch die Anden in Chile und Argentinien erstrecken, stellen das größte Eisschild der südlichen Hemisphäre außerhalb der Antarktis dar. Der NASA zufolge schmelzen sie rapide ab und tragen zum Anstieg des Meeres­spiegels bei.

SCHWINDENDES EIS

2018 führte Donosos Reihe „Ice Postcards“ ihn an einige der unzugäng­lichsten Orte Patagoniens. Dazu begab er sich auf die Spuren des italienischen Pioniers und Missionars Alberto de Agostini, eines beherzten Forschers, der vor über einem Jahrhundert in Tierra del Fuego die Gletscher der Cordillera Darwin, einer nach dem britischen Biologen Charles Darwin benannten Bergkette, dokumentierte.
De Agostinis Archiv umfasst über 11.000 Fotografien von Patagonien.
Donoso und sein Team segelten durch die Fjorde Patagoniens und erreichten ihr Reiseziel zu Fuß, um de Agostinis Bilder erneut aufzunehmen.

Gemeinsam mit seinem Expeditions­partner Alfredo Pourailly machte Donoso genau die Orte von zehn von de Agostinis Bildern ausfindig und wiederholte die Aufnahmen zur entsprechenden Jahreszeit, um dieselben saisonalen Bedingungen vorzufinden. Die beiden Forscher suchten besonders abgelegene Orte aus, die seit de Agostinis Expeditionen nur von sehr wenigen Menschen besucht worden waren. Was sie vorfanden, übertraf ihre schlimmsten Befürchtungen.
„Es war noch viel dramatischer, als wir gedacht hatten“, so Donoso.

„Der Mensch hat auf Orte, die wir noch nicht wirklich verstanden haben, noch nicht erforscht, fotografiert oder kartografisch erfasst haben, bereits erheblich eingewirkt“, stellt Donoso fest. „Die Erde ist ein viel kleinerer Ort, als wir glauben.“

MIT DER NATUR VERBUNDEN

Donoso erklärt, dass er sich durch das Erreichen abgelegener Orte mithilfe minimaler Ausrüstung „frei und ungemein glücklich“ fühlt.
Die Reisen sind äußerst strapaziöse, körperliche Ausdauer­leistungen, aber sie erzeugen eine tiefe spirituelle Verbundenheit mit der Natur. „Einfach alles in unserer körperlichen und geistigen Beschaffenheit ist durch unseren Kontakt mit der Natur bestimmt worden“, meint Donoso. „Die Rückbesinnung darauf lässt uns … entdecken, wer wir wirklich sind.“

Die Leidenschaft der Naturforscher des 19. und 20. Jahrhunderts war eine große Inspiration für Donosos Arbeit. Aber die Welt, die er erforscht, sieht ganz anders aus.
Er möchte die Menschen einbeziehen und sie über die Auswirkung der Erd­erwärmung an abge­legenen Orten aufklären.
„Durch die Kunst, das Objektiv des Fotografen, bieten wir eine klarere Perspektive mit einer sehr direkten und sensiblen Botschaft“, sagt er.

Die Botschaft von „Ice Postcards“ scheint klar – die patagonischen Eisdecken schmelzen in besorgnis­erregendem Ausmaß. Im Verlauf dieses Jahres möchten Donoso und Pourailly den zweiten Teil des Projekts abschließen.
Donoso hofft, dass er durch das Enthüllen der durch den Klimawandel entstandenen Zerstörung in abgelegenen Teilen der Welt einen Umbruch auslösen kann. „Niemand wird für den Schutz von etwas kämpfen, das er gar nicht kennt“, meint er.

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