close

Deepsea Under The PoleUnter schwindendem Polareis

clockLesezeit: 3 min 10 s
scroll-down

Ein Jahrhundert nachdem Forscher zum ersten Mal den Nordpol erreichten, drang das Team Deepsea Under The Pole in eine neue Dimension vor – die Tiefe. Deepsea Under The Pole by Rolex war eine bahnbrechende Expedition im Jahr 2010, die Einblicke in den unter Wasser liegenden Teil der Arktis verschaffen sollte. Bei Trekkingtouren auf Skiern und Tauchgängen in einem der rauesten Klimagebiete unseres Planeten führten die acht Expeditionsmitglieder wissenschaftliche Untersuchungen durch.

von Don Belt
Bewegungen im Eis und im Ozean schweißen einzelne Eisstücke zusammen und schaffen so ein eisiges Labyrinth aus Kanälen und Röhren, wie diesen außergewöhnlichen dreieckigen Tunnel.

Das Team sammelte einmaliges akustisches, fotografisches und filmisches Material einer verschwindenden Welt aus Schnee, Eis und einer einzigartigen und erstaunlich reichen Meeresfauna. Rolex war stolz, das Team auch 2017 bei der Expedition Under The Pole III zu unterstützen und so zu neuen Entdeckungen und zum weiteren Verständnis unseres Planeten beizutragen.

Die Expedition Deepsea Under The Pole von 2010 führte das Team unter der Leitung von Ghislain Bardout zum Nordpol – und dann durch die Eisschicht hinunter in die eisigen Gewässer unter der polaren Eiskappe. Die Idee zu dieser Expedition begann als Kindheitstraum des damals 15 Jahre alten Franzosen.

Der in Ferney-Voltaire, in der Nähe der Schweizer Grenze, aufgewachsene Ghislain Bardout war schon als Jugendlicher vom Nordpol fasziniert. In seiner Fantasie malte er sich Eisbären auf endlosen, glitzernden Schneeflächen und die majestätische Schönheit des kristallklaren Wassers unter den bizarren Eisformationen aus. Seine Suche nach Aufnahmen von der polaren Unterwasserwelt blieb allerdings ergebnislos, weil bis zu diesem Zeitpunkt noch niemand unter den Eiskappen getaucht war.

Fünfzehn Jahre später, am Ende der Welt, verstand er den Grund dafür.

Wir hatten mit extremen Temperaturen gerechnet, aber es war trotzdem ein Schock. Die Kälte kroch durch unsere Kleidung, direkt bis auf die Haut. Unser schlimmster Feind waren Erfrierungen.Ghislain Bardout

Es war bereits eine Herkulesaufgabe gewesen, seine Expedition Deepsea Under the Pole by Rolex überhaupt zum Nordpol zu bringen. Fast drei Jahre intensivster Planung, Finanzierung, Forschung, logistischer Vorbereitungen sowie ein körperliches und mentales Training waren dafür nötig gewesen. In den Wintermonaten hatte das Team in den französischen Alpen und im nordfinnischen Meereis der zugefrorenen Ostsee trainiert, um die Ausrüstung und die Belastbarkeit der Expeditionsmitglieder zu testen.

Die letzten Expeditionsvorbereitungen und die lange Anreise von Frankreich über Montreal in die kanadische Hocharktis waren derart kräftezehrend, dass sich Bardout einen kurzen Moment der unbändigen Freude gestattete, nachdem das achtköpfige Team am 26. März 2010 in Polnähe abgesetzt worden war. „Als ich dort stand und das Flugzeug abfliegen sah, fühlte es sich an, als wäre die erste Expedition damit beendet“, sagt er rückblickend. „Allein schon so weit zu kommen, war eine echte Meisterleistung.“

Die fünf Rolex Deepsea Armbanduhren funktionierten trotz der extremen Kälte einwandfrei, sodass die Tauchzeiten exakt eingehalten werden konnten.

Und der zweite Teil der Expedition verfolgte sogar noch ehrgeizigere Ziele. Auf dem Programm stand eine zweimonatige Trekkingtour auf Skiern, bei der das Team 800 Kilometer weit auf Skiern über das Packeis nach Ellesmere Island zurücklegen und unterwegs häufige Tauchstopps einlegen sollte. Ziel war es, die Situation des Meereises zu dokumentieren und bisher einmalige Aufnahmen von der polaren Unterwasserwelt zu liefern sowie mehrere Hunderte wissenschaftliche Beobachtungen zur menschlichen Physiologie und zum Klimawandel durchzuführen. Als das Team auf 89°19’ N ankam, musste Bardout jedoch ernüchtert feststellen, dass die größte unmittelbare Herausforderung die Anpassung an die extremen Witterungsbedingungen sein würde.

Sie hatten ihre Ankunft extra auf den Beginn des arktischen Frühlings Ende März gelegt, wenn die Eisschicht noch dick und das Wasser klar ist und die Sonne täglich höher über den Horizont steigt. Das arktische Wetter ist jedoch unberechenbar, sodass eisige Außentemperaturen von -40°C das Vorwärtskommen mit den vollgepackten Nansenschlitten und die ersten Tauchversuche einschränkten.

„Die ersten paar Tage waren die Hölle“, erinnert sich Bardout. „Wir hatten mit extremen Temperaturen gerechnet, aber es war trotzdem ein Schock. Die Kälte kroch durch unsere Kleidung, direkt bis auf die Haut. Unser schlimmster Feind waren Erfrierungen.“

Die Bedingungen waren einfach extrem hart. Mit unserer Ausrüstung war eigentlich alles in Ordnung, aber trotzdem ging alles kaputt.Ghislain Bardout

Zwei Schlitten können jeweils vereint zum Boot umfunktioniert werden. Expeditionsleiter und Unterwasserkameramann Bardout filmt die Szenerie aus der Taucherperspektive.

Zu allem Übel versagte auch noch die Ausrüstung. Aufgrund der Kälte zerbarst Metall, Kunststoff wurde porös und selbst die einfachsten Mechanismen funktionierten nicht richtig. Ausrüstung, die den Härtetest im finnischen Ostseeeis unbeschadet überstanden hatte, erwies sich am Nordpol als brüchig wie Glas.

Bei einem der ersten Tauchgänge unter das Eis drang eisiges Wasser in den Trockenanzug von Emmanuelle Périé, der einzigen Frau im Team, weil sich Eis im Einlassventil gebildet hatte. Und das war erst der Anfang.

„Versuchen Sie mal, wieder trocken und warm zu werden, wenn Ihnen der Wind mit -45°C ins Gesicht bläst“, kommentiert Périé die dramatischen Minuten, als sie wieder an die Oberfläche kam und das Team die einstudierten Notfallmaßnahmen durchführte. „Und als wir dann die nassen Sachen im Abluftstrom des Generators trocknen wollten, fing auch noch mein Anorak Feuer. Das war beileibe kein angenehmes Gefühl, dass mein Hauptschutzschild gegen die arktische Kälte plötzlich durchlöchert war. Mit solchen Dingen hatten wir vom ersten Tag an zu kämpfen. Das war hart.“

Nach jedem Tauchgang dauerte es Stunden, bis die Atemregler, Kameras und sonstige Unterwasserausrüstung wieder vom Eis befreit waren, und die Reparatur der defekten Teile nahm sogar noch mehr Zeit in Anspruch. „Die einzigen Tauchinstrumente, die die ganze Zeit über einwandfrei funktionierten“, fügt sie hinzu, waren ihre Armbanduhren – Modell Oyster Perpetual Rolex Deepsea.

Mit seiner Erfahrung aus mehreren Arktisexpeditionen wusste Bardout die Warnsignale zu deuten. Er setzte alle weiteren Tauchgänge aus, bis sich das Team wieder gefangen und an die extremen Bedingungen angepasst hatte. In den nächsten zehn Tagen kämpfte sich die Gruppe also weiter Richtung Süden über das Packeis, schlug ihre Zelte auf und reparierte die Ausrüstung, bis sie mit den widrigen Umständen fertig wurde und sieben bis acht Stunden täglich auf Skiern durchhielt.

„Das war vermutlich unsere wichtigste Entscheidung“, meint Bardout. „Die Bedingungen waren einfach extrem hart. Mit unserer Ausrüstung war eigentlich alles in Ordnung, aber trotzdem ging alles kaputt – Kameras, Kabel, Skier, Beleuchtung. Solche Dinge fordern ihren Tribut. Wir waren alle gut vorbereitet, aber ich wusste aus Erfahrung, dass jene ersten zehn bis zwölf Tage den Erfolg oder Misserfolg einer Expedition bedeuten konnten. Wenn wir es nicht geschafft hätten, alles wieder unter Kontrolle zu bringen, hätte unsere katastrophal enden können.“

Außerdem schweißte die Tauchpause die Gruppe noch enger zusammen. Neben Expeditionsleiter Bardout (30) und seiner Partnerin Périé (31), Skipperin und Tauchlehrerin, bestand das Team aus: Benoît Poyelle (32), Unterwasseringenieur und Fotograf, Alban Michon (32), Tauchprofi und Experte für Tauchausrüstungen, Samuel Audrain (31), Berufstaucher und Marinemechaniker, Clément Infante (25), Bergsteiger, Vincent Berthet (28), Kameramann, sowie Pascal Rey (34), Bergführer und Rettungssanitäter. Und schließlich war da auch noch Kayak (ein Jahr alt), ein Siberian Husky mit schneeweißem Fell, der bei Eisbäralarm anschlagen sollte. Außerdem hielt Valentine Ribadeau Dumas vom kanadischen Resolute Bay aus engen Funkkontakt zum Expeditionsteam auf dem Eis.

Obwohl sich in der zehntägigen Wartezeit auf den nächsten Tauchgang auch der erhoffte Temperaturanstieg einstellte, wurde die Situation zunächst eher schlimmer als besser.

Anfang April kletterte das Thermometer innerhalb von 24 Stunden von –40°C auf vergleichsweise milde
–1°C, dafür tobten aber zwei Tage lang orkanartige Böen durch das Camp und verwandelten die relativ ebene Eisfläche in eine zerklüftete Trümmerlandschaft mit haushoch aufgetürmten Eisblöcken und Gischt spuckenden Spalten. Ein weiterer Sturm sorgte für neue Verwerfungen und trieb die riesige Eisscholle, auf der sie sich befanden, über 30 Kilometer nach Westen ab, wodurch die Kraftanstrengungen mehrerer Tage zunichtegemacht wurden. Die Wetterkapriolen vereitelten auch die Landung des Versorgungsflugzeugs, sodass der Nachschub weit entfernt von ihrem Standort per Fallschirm abgeworfen werden musste, damit er nicht in Risse oder ins offene Meer fiel.

Schließlich hatte sich das Wetter – und die Zusammenarbeit in der Gruppe – so weit stabilisiert, dass Bardout grünes Licht für weitere Tauchversuche geben konnte. Damit hatte die Expedition endlich ihren Rhythmus gefunden und war wieder auf Zielkurs.

Diesmal funktionierte alles wie geplant. Zwischen den einzelnen Tauchpunkten lagen jeweils mehrere Tagesetappen von acht bis zehn Kilometern, auf denen sich das Team mühsam auf Skiern über das Packeis vorarbeitete und die Nansenschlitten immer wieder über Eisstöße und größere Verwerfungen getragen werden mussten, bevor das Lager aufgeschlagen werden konnte. Nach einem morgendlichen Tauchgang durch ein in das Eis geschnittenes Einstiegsloch folgten dann die Mittagspause und ein zweiter Tauchgang am späten Nachmittag, normalerweise in einiger Entfernung zum ersten Loch.

So gelangen den Fotografen der Expedition auf ihrem langsamen Weg nach Süden eindrucksvolle Bilder der Meereisbedeckung aus der Taucherperspektive, während die übrigen Teammitglieder über und unter Wasser wissenschaftliche Daten sammelten.

Im Auftrag der Géo-Scaph Association überwachte das Team beispielsweise die Auswirkungen des eisigen Polarwassers auf die menschliche Physiologie, insbesondere auf die Körpertemperatur, indem die Expeditionsmitglieder vor jedem Tauchgang „Funkpillen“ einnahmen, die alle körperlichen Reaktionen aufzeichneten. Und für den Klimatologen Christian Haas von der kanadischen Alberta University sammelten sie Daten zu Schneehöhe, Dichte und Auftriebskräften, die Rückschlüsse auf die Dicke des Meereises erlauben.

Darüber hinaus dokumentierten die Expeditionsmitglieder auch alarmierende Anzeichen für den fortschreitenden Klimawandel in der Arktis: Nach Aussage von Bardout und Périé, die bereits in den Jahren 2007 und 2008 am Nordpol waren, ist die polare Eiskappe durch das Abschmelzen von unten deutlich dünner und brüchiger als noch vor wenigen Jahren.

Heute ist der Nordpol bereits zu Beginn des Frühlings in weiten Teilen eisfrei und Eisbären müssen weite Strecken durchs offene Meer schwimmen, und das ist nicht normal. Die Eiskappe schmilzt direkt vor unseren Augen und baut sich nicht wieder auf.Ghislain Bardout

Zu diesem Schluss kommt auch der Meteorologe Wayne Davidson, der die Veränderungen der arktischen Meereisbedeckung seit 1985 von einer Forschungsstation auf Ellesmere Island aus beobachtet. Laut Davidson hat die Dicke der Eisschicht seit 1998 kontinuierlich abgenommen, was zu einem alarmierenden Anstieg der Oberflächentemperaturen geführt hat.

„Wenn die Sonne über den Horizont steigt, schmilzt das Eis – das ist ein ganz natürliches Phänomen“, erklärt Bardout. „Dieses Schauspiel wiederholt sich seit Tausenden von Jahren jedes Frühjahr in der Arktis. Heute ist der Nordpol aber bereits zu Beginn des Frühlings in weiten Teilen eisfrei und Eisbären müssen weite Strecken durchs offene Meer schwimmen, und das ist nicht normal. Die Eiskappe schmilzt direkt vor unseren Augen und baut sich nicht wieder auf. Auf unserer Expedition haben wir beobachtet und auch gefilmt, wie sehr, sehr viel Eis von unten abschmilzt und nicht von oben, wo die meisten Forscher suchen. Ich habe das mit eigenen Augen gesehen.“

Das achtköpfige Team.

Das Terrain wurde mit jedem Expeditionstag schwieriger und tückischer, weil sich das Eis immer mehr auftürmte und Schnee und Eis in der Aprilsonne zu tauen begannen. Bald wurde allen Beteiligten klar, dass es unrealistisch war, die Tauchgänge fortzusetzen und zudem die Küste von Ellesmere Island zu Fuß zu erreichen, wie es der ursprüngliche Plan vorsah. Das Team entschied sich also gegen die Küste und für die Tauchgänge und beschloss, die verbleibende Zeit für die weitere Erkundung der polaren Eiskappe von oben und von unten zu nutzen und dabei mehr arktische Unterwasseraufnahmen zu machen, als je zuvor zusammengetragen wurden.

Die Gruppe absolvierte insgesamt 51 Tauchgänge und hätte sicher noch weitergemacht, wenn sich die Witterungsbedingungen nicht noch weiter verschlechtert hätten. In der dritten Aprilwoche waren die Temperaturen 10 bis 15°C über den Normalwert gestiegen, auf einen Wert, bei dem die Eismassen immer schneller tauen und „täglich in immer kleinere Eisschollen zerbrechen“, wie Bardout schrieb, als er die Entscheidung ankündigte, den Nordpol früher zu verlassen als geplant. „Beim Tauchen haben wir unter Wasser das Knacken der Eismassen gehört und wir hören es auch nachts im Zelt. Man kann förmlich fühlen, wie das Eis instabil wird. Du fühlst nackte Angst.“

Sofort nachdem das Wetter aufgeklart hatte, wurden das Team und Kayak vom schwindenden Eis geholt und samt der Ausrüstung nach Ellesmere Island geflogen. Zurück in Frankreich planen Bardout und Périé bereits ihre nächste Expedition mit ausgedehnten Tauchgängen in große Tiefen. Diesmal möchten sie den aktuellen Zustand des arktischen Meereises und der Flora und Fauna näher an der grönländische West- und Nordküste dokumentieren, wo der Jagderfolg der Inuit vom langsamen Wechsel der Jahreszeiten und von einer dicken, geschlossenen Eisdecke abhängt.

„Die polare Unterwasserwelt unter dem Meereis ist noch weitestgehend unerforscht“, erklärt Bardout seine Leidenschaft für die frostige Polarregion. „Es gibt so gut wie keine veröffentlichten Bilder und wenn überhaupt, wurden sie alle mehr oder weniger im selben Gebiet aufgenommen, in Reichweite einer Basisstation mit Flugplatz. Aber es gibt enorme Unterschiede im arktischen Eis und auch die Unterwasserlandschaften verändern sich stark, je nachdem, wo man taucht. Wir wollen einfach die Schönheit dieser schwindenden Lebensräume zeigen.“

Die Umwelt erhalten – Perpetual Planet

Umwelt

Entdecken

Diese Seite empfehlen