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Wider­stands­fähige Korallen zur Rettung sterbender Korallenriffe

Diese Meeresbiologin möchte mit widerstandsfähigen Korallen sterbende Korallenriffe retten
(CNN) – Mit ihrer Taucherbrille ausgerüstet, tauchte Emma Camp bedächtig unter der Wasser­oberfläche entlang und stieß dabei auf eine Welt, die sie noch nie zuvor gesehen hatte: ein Unterwasser­paradies voller leuchtender Farben.

Von Jane Sit, CNN
Veröffentlicht: September 2020icon-clockLesezeit: 1min 43s

Es war das erste Mal, dass sie ein Korallenriff sah. Sie war damals sieben Jahre alt und verbrachte den Urlaub mit ihrer Familie auf den Bahamas. Das war jener Moment, in dem sich Camp in das Meer verliebte. „Es war einfach die Faszination für diese unbekannte Welt, die mich geradezu angezogen hat“, erinnert sie sich.

Die heute 33-jährige, in Großbritannien geborene Meeresbiologin ist eine führende Forscherin auf dem Gebiet der Erhaltung und Widerstands­fähigkeit von Korallen an der University of Technology Sydney. Sie kämpft für den Schutz der Wunder des Meeres, die sie schon als Kind faszinierten.
Das Korallenriff gilt als eines der arten­reichsten Ökosysteme der Welt, in dem sich ein Viertel aller Meeres­lebewesen tummelt. Wissenschaftler befürchten jedoch, dass der Klimawandel bis 2100 alle Korallenriffe der Erde vernichten könnte.

Während etwa die Hälfte der Korallen weltweit schon zerstört ist, glaubt Camp fest daran, dass wir die übrigen noch retten können.
Bei ihrer Arbeit sucht Camp auf der ganzen Welt nach den widerstands­fähigsten und belastbarsten Korallen, also jenen Arten, die die beste Chance haben, die Klimakrise zu überstehen.

Sie hat Korallen erforscht, die in Mangroven­seen weltweit wachsen, wie etwa in der Karibik, auf den Seychellen und in Indonesien. Im Jahr 2016 haben sie und ihr Team als Erste in Neukaledonien im Südpazifik Mangroven­­korallen gefunden. Drei Jahre später konnten sie zum ersten Mal ähnliche Mangroven­­korallen in Australien dokumentieren und zwar im Umkreis des Great Barrier Reef.
Mangrovenseen sind seichte Wasserstellen, die sich in den Tropen in der Nähe der Küste befinden. Sie sind von Bäumen und Sträuchern umgeben, die im Salzwasser gedeihen.

Camp erklärt, dass „das Wasser [in den Seen] von Natur aus warm, säurehaltig und sauerstoffarm ist“. In den Riffen sterben die Korallen, da der Klimawandel zu ähnlichen Bedingungen im Meer führt: Das Wasser wird wärmer, säurehaltiger und sauerstoff­ärmer. Die Korallen in den Mangroven gedeihen jedoch trotz dieser Umstände sehr gut. Camps Ziel ist es, die besonderen Eigenschaften der Mangroven­­korallen zu erforschen, die es ihnen ermöglichen, in einer feindlichen Umgebung zu überleben.
Camp und ihr Team sammeln Korallenproben in den Mangrovenseen, bringen diese in ihr Labor in Sydney und führen DNA-Analysen durch, um mehr über ihre Erbanlagen herauszufinden und zu bestimmen, worin sie sich von Riffkorallen unterscheiden.
In Australien tauscht Camp Korallen­fragmente zwischen den Mangrovenseen und dem zentralen Riffkörper aus.

Mangroven­korallen werden in das Riff umgepflanzt, um auszuprobieren, welche Art dort gut gedeiht, sagt sie, während Riffkorallen in Mangroven­gewässer gepflanzt werden, um zu beurteilen, wie diese auf schwierigere Lebens­bedingungen reagieren. Camp möchte herausfinden, ob die Wissenschaft eines Tages diese widerstands­fähigen Korallen einsetzen können wird, um jene Gebiete der Riffe wieder aufzufüllen, die durch den Klimawandel Schaden genommen haben.

Der Eingriff wird streng kontrolliert: Die Korallen­fragmente werden mit Kabelbindern an kleine Rahmen befestigt, um zu verhindern, dass sie sich über das Untersuchungs­gelände hinaus verbreiten. Auf diese Weise lässt sich sicherstellen, dass es bei der Umsiedlung von Arten zwischen unterschiedlichen Lebensräumen zu keinen unbeabsichtigten Folgen kommt.

Camp nennt sich selbst eine „Meeres­optimistin“, aber letztendlich kann ihre Arbeit im Hinblick auf den Klimawandel nur helfen, „Zeit zu gewinnen“.

„Die Zeit läuft uns davon und es wird dringend“, sagt sie. „Wenn wir nicht handeln, gehen diese besonders bedeut­samen Öko­systeme verloren … oder werden jedenfalls so stark beschädigt, dass wir die Zer­störung nicht mehr rück­gängig machen können.“

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