Michel AndréMeerlärm löst Alarmglocken aus

Veröffentlicht: 2002clockLesezeit: 50s
scroll-down

Der immer stärker werdende Tumult in und auf den Ozeanen, ausgelöst durch menschliche Aktivitäten, hat verheerende Folgen auf die Unterwasserwelt. Das jedenfalls ergaben die Recherchen des Bioakustik-Wissenschaftlers Michel André.

OrtKanarische Inseln & Mittelmeer

Zusammenstöße rund um die Kanarischen Inseln zwischen Schiffen und Walen – meist mit tödlichem Ausgang für die Meeressäuger – bereiteten Michel André schon länger Kopfzerbrechen. Seine Nachforschungen ergaben, dass die gigantischen Tiere durch die vom Menschen verursachte Lärmbelastung Hörschäden erleiden und deshalb den herannahenden Schiffen nicht rechtzeitig ausweichen. Also entwickelte er mithilfe des mobilen Prototyp einer Sonarboje das erste Wal-Antikollisionssystem (WACS), das er mit seinem Rolex Preis finanzierte.

Selbst heute wissen wir nur wenig darüber, inwieweit von Menschen produzierte Geräusche sich auf das Leben im Ozean auswirken. Inzwischen wächst jedoch sowohl seitens der Öffentlichkeit wie seitens der Wissenschaft die Besorgnis über diese neue Umweltbelastung – und unsere jüngsten Daten bestätigen, dass diese Befürchtungen durchaus begründet sind.

Sein Projekt hat sich im Laufe der Jahre um Recherchen darüber erweitert, welche negativen Auswirkungen der zunehmende Lärm von Schiffsschrauben, Bohrinseln, Baggern, seismischen Überwachungsgeräten, Militärmanövern und ähnlichem auf die Meeresbewohner hat, und zwar nicht nur auf solche, deren Leben von der Echolotung abhängt. Im Rahmen seines Projekts LIDO (Listen to the Deep Ocean Environment) wurden in allen Weltmeeren Unterwasser-Messstationen installiert und miteinander vernetzt, um so ein weltumspannendes Bild der Ozeangeräusche und ihrer Auswirkungen zu liefern. André, Professor für Bioakustik an der Technischen Universität Kataloniens und Direktor des Labors für angewandte Bioakustik, hat auch an verschiedenen von der EU finanzierten Projekten über Lärmbekämpfung mitgewirkt und arbeitet bei einem Projekt zum Schutz der rosa Delfine mit dem brasilianischen Mamirauá Institut für nachhaltige Entwicklung des verstorbenen Rolex Preisträgers José Márcio Ayres zusammen.

  • 22

    Unterwasser-Messstationen, auf alle Weltmeere verteilt, sind im LIDO-Netzwerk verlinkt

  • 15

    Dezibel-Steigerung im Niedrigfrequenzbereich des vom Menschen verursachten Lärms in den Ozeanen innerhalb der letzten 50 Jahre

Programm

Rolex Preise für Unternehmungsgeist

Entdecken

Diese Seite empfehlen