RINZIN PHUNJOK LAMA

Rolex Preisträger 2021

Förderung lokaler Initiativen zum Schutz der Artenvielfalt im nepalesischen Transhimalaja-Gebirge

Die Einheimischen der bergigen Himalaja­region Humla in Nepal, einer der urtümlichsten und entlegensten Gegenden der Welt, werden als Natur­schützerinnen und Naturschützer an vorderster Front eingesetzt, um schwindende Wildtier­populationen zu retten – von Schnee­leoparden bis hin zu wilden Yaks. Die treibende Kraft hinter dem Projekt ist der junge Ökologe Rinzin Phunjok Lama, der davon überzeugt ist, dass nur lokales Engagement und Know-how tatsächlich eine Veränderung herbeiführen können.

Im Jahr 2006 kamen bei einem Hubschrauber­absturz 23 führende nepalesische Natur­schützerinnen und Naturschützer ums Leben, weshalb die Verantwortung unvermittelt von einer neuen Generation übernommen werden musste. Rinzin Phunjok Lama war unter den ersten, die sich der Heraus­forderung stellten: Er machte es sich alsbald zur Lebens­aufgabe, nicht nur den sagen­umwobenen Schneeleoparden zu schützen, sondern auch den bedrohten Himalaja-Wolf, den Himalaja-Schwarzbären, das wildlebende Yak, das tibetische Argali, den tibetischen Kiang, den Moschushirsch und andere Hoch­gebirgstiere Nepals.

Lama stammt von den schroffen und eisigen Berghängen Humlas, die sich bis zu 5.000 Meter über dem Meeres­spiegel erheben. Das Leben dort ist für Mensch und Tier gleichermaßen ein ständiger Kampf, was wiederum zu Konflikten führt, bei denen die Tiere häufig das Nachsehen haben. „Humla ist zwar eine der abgelegensten, aber in Hinblick auf die Arten­vielfalt auch eine der üppigsten und schönsten Landschaften. Die buddhistische Philosophie [fördert] Werte wie Mitgefühl, Koexistenz und eine ausgewogene Beziehung zwischen Mensch und Natur. Seit ich zum ersten Mal einen Schnee­leoparden gesehen habe – eine geheimnisvolle und sagen­umwobene Spezies –, möchte ich die Bergwelt schützen“, sagt er.

Seit ich zum ersten Mal einen Schnee­leoparden gesehen habe – eine geheimnis­volle und sagen­umwobene Spezies –, möchte ich die Bergwelt schützen.

Rinzin Phunjok Lama

„Das Ökosystem des Transhimalaja ist allerdings äußerst empfindlich, und die zunehmenden menschlichen Aktivitäten sind eine ständige Bedrohung. Es werden dringend Naturschutz­projekte benötigt, die ein ganz­heitliches Konzept für den Umweltschutz und den Lebens­unterhalt bieten.“ Durch Lamas Philosophie des „gemeinschafts­basierten Naturschutzes“ werden die Autorität und Verant­wortung für die Lösung der Probleme auf die lokale Bevölkerung übertragen und diese wird aufgefordert, zu besseren Hüterinnen und Hütern sowohl des bewirtschafteten Landes als auch der Wildnis zu werden.

Diese Art des Naturschutzes soll die Grundlage bilden, um die lokale Verwaltung, das lokale Wirtschaften und die Eigen­verantwortung zu fördern und so belastbarere und selbst­ständigere Berg­gemeinden aufzubauen. Gemeinsam mit einer Gruppe junger Menschen, die ähnliche Ansichten vertreten, arbeitet er mit Institutionen wie Dorfräten, Jugend­zentren und Frauen­gruppen zusammen. Der Fokus liegt dabei auf der Schaffung eines Bewusstseins bei den Einheimischen, ihrer Weiterbildung, Beteiligung und Mobilisierung.

Lamas Herangehensweise besitzt viele Facetten: Einige Einheimische werden in der Straf­verfolgung geschult, um Wilderei, Wald­brände und illegalen Holz­einschlag zu verhindern, während andere – insbesondere Frauen – dabei unterstützt werden, umwelt­freundliche Unternehmen zu gründen, die sich die natürlichen Vorzüge der Humla-Region zunutze machen, wie z. B. der Handel mit Kräuter­produkten und traditioneller Kleidung oder Angebote im Bereich Wander- und Ökotourismus.

Auf der wissenschaftlichen Seite wiederum setzen seine Teams von jungen, geschulten Natur­schützerinnen und Naturschützern Feldstudien und Kamerafallen ein, um für die Populationen der am stärksten gefährdeten Wildtiere einen Ausgangs­wert zu ermitteln, ihre Zahlen zu überwachen und zu beobachten, wie sie auf die neuen Maßnahmen reagieren.

„Ich möchte zeigen, dass die Einheimischen – sofern man ihnen eine Chance gibt – führungsstark sein können und in der Lage sind, selbstständig große Naturschutz- und kommunale Projekte zu leiten, als wahre Hüterinnen und Hüter des Landes.“

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