Eric GilliHöhlen­forschung zur Erdbeben­prognose

Veröffentlicht: 1996clockLesezeit: 0min 56s
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Über die Suche nach Spuren längst vergangener seismischer Aktivität in Höhlen kam der französische Geologe auf eine neue Methode, um Erdbeben vorauszusagen.

OrtFrankreich

Erdbebenprognosen sind äußerst schwierig zu realisieren. Wissenschaftler beobachten nicht nur die Verschiebungen der tektonischen Platten und lokalisieren potenzielle oder vorhandene Bruchzonen, sondern beziehen in ihre Kalkulationen auch ein, wann und wo frühere Erdbeben aufgetreten sind. Aber was, wenn in einer Region keine Aufzeichnungen von Erschütterungen vorhanden sind?

Höhlen sind gute Speichermedien für natürliche Phänomene. So wie sie in ihrer unterirdischen Umgebung Überbleibsel frühzeitlicher Menschen wie Malereien, Knochen und Werkzeuge über Jahrtausende hinweg bewahrt haben, tragen sie auch die Spuren vieler Erdbewegungen.

Hier kommen die Höhlen ins Spiel, weil sie Informationen liefern, die sonst nirgendwo zu finden sind. Eric Gilli, ein passionierter Höhlen­forscher und seit 1980 ein Pionier auf diesem Gebiet, kam auf die Idee, in Höhlen und unterirdischen Gängen nach Spuren vergan­gener Erdbeben und Verwerfungen zu suchen. Deutliche Anzeichen sind beispiels­weise Stalaktiten und Stalagmiten, die sich nicht mehr gegenüberstehen, weil sich die Höhlendecke verschoben hat. Durch radio­isotopische Datierung können Geologen die Bewegungen einer Höhle rekonstruieren, die tausend Jahre zuvor durch Erdbeben entstanden sind.

„Wir hoffen, auf diese Weise eine Methode zu entwickeln, mit der das Erdbebenrisiko in Regionen bewertet werden kann, für die keine historischen Daten vorliegen“, erklärt Gilli, der seinen Rolex Preis genutzt hat, um in Gegenden mit hoher seismischer Aktivität Daten zu sammeln und seine Methode Geologen in anderen Ländern vorzustellen.

Er unternahm Forschungsreisen in verschie­dene Länder und fasste seine Recherchen in einem 2011 erschienenen Buch zusammen. Jetzt als Professor für Fern­erkundung, Geomorphologie und Geologie an der Universität Paris 8 tätig, hat er 130 wissenschaftliche Publikationen und fünf Bücher über Höhlenforschung veröffentlicht. Er reiste auch nach Sarawak in Malaysia, um die größte unterirdische Kammer der Welt zu fotografieren.

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    Jahre Erdbebendaten lassen sich mit Gillis Methode durch Höhlenforschung bestimmen

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