GINA MOSELEY

Rolex Preisträgerin 2021

Neue Erkenntnisse zum arktischen Klimawandel in den nördlichsten Höhlen der Welt

Die britische Klima­forscherin Gina Moseley wird eine der letzten Grenzen der Forschung überschreiten, wenn sie sich in die nördlichsten uner­forschten Höhlen der Arktis abseilt, um nach Anhalts­punkten zur klimatischen Vergangenheit des Planeten zu suchen. Mit der Expedition, die in dieser Form noch nie unternommen wurde, will sie die Gefahr aufdecken, die die Polar­regionen für die Menschheit darstellen. In diesen Gegenden schreitet die Erwärmung nämlich doppelt so schnell voran wie anderswo, wodurch Küsten­städte weltweit von Über­flutungen bedroht sind.

Es war reiner Zufall, dass die erfahrene Polar- und Höhlenforscherin Gina Moseley durch einen Kollegen auf die unberührten Höhlen aufmerksam wurde. Sie waren in den 1960er-Jahren im Rahmen einer US-Militär­expedition nach Wulff-Land im hohen Norden Grönlands in weiter Ferne und hoch in einer abgelegenen Felswand gesichtet worden. Aufgrund der Kosten und Schwierigkeiten, die mit einer Expedition dorthin verbunden sind, blieben sie jedoch unerforscht.

Als bahnbrechende Wissenschaftlerin, die ständig nach neuen Herausforderungen sucht, beschloss Moseley, dass es an der Zeit ist, die verborgenen geologischen Besonderheiten der Höhlen zu entdecken und so einen Einblick in die vergangenen Wärme- und Kälte­perioden und deren Einfluss auf die arktische und globale Umwelt zu gewinnen. Sie hofft, daraus neue Schlüsse über die möglichen Auswirkungen der heutigen Polar­schmelze ziehen zu können.

Höhlen sind wie Zeitmaschinen. Calcit bildet Schichten, ähnlich wie die Jahresringe bei Bäumen. Wir können jede Schicht analysieren, um Informationen über das Klima vergangener Zeiten zu erhalten.

Gina Moseley

Die Forscherin, die bereits in der Vergangenheit drei Expeditionen nach Grönland leitete, hält diese Höhlen für einen Ort, der wertvolle geologische Geheimnisse birgt. Dabei handelt es sich um Calcit­ablagerungen, sogenannte „Speläotheme“, die bis zu einer halben Million Jahre alt sind und den rätselhaften Charakter vergangener Klima­verhältnisse dokumentieren. Die gegenwärtige arktische Klima­wissenschaft stützt sich hingegen auf Eis­bohr­kerne, die höchstens 128.000 Jahre alt sind. In den entlegenen Höhlen des nördlichen Wulff-Land könnten vier- oder fünfmal so alte Sedimente verborgen sein, aus denen die Wissenschaft Anhalts­punkte über wärmere Perioden auf der Erde gewinnen könnte.

„Höhlen sind wie Zeitmaschinen“, sagt Moseley. „Calcit bildet Schichten, ähnlich wie die Jahresringe bei Bäumen. Wir können jede Schicht analysieren, um Informationen über das Klima vergangener Zeiten zu erhalten. In den Höhlen suchen wir nach Stalagmiten, Stalaktiten und Tropf­steinen, die aus Calcit entstanden sind.“

Grönland hat großen Einfluss auf das Schicksal der Menschheit. Sein Eis schmilzt mit Rekord­geschwindigkeit. So flossen im Jahr 2019 an nur einem einzigen Tag 12 Milliarden Tonnen Schmelz­wasser ins Meer. Dies hat einen Anstieg des Meeres­spiegels von mehr als einem Millimeter pro Monat zur Folge. Das vereiste Land beeinflusst auch Niederschlags­muster, die Eisbildung, Meeres­strömungen und Wetter­systeme, die sich wiederum auf stark bevölkerte Regionen weltweit auswirken.

Moseleys Expedition wird die Grenzen der menschlichen Belastbarkeit ausloten. Ihre sechsköpfige Forschungsgruppe wandert eine weite, anspruchsvolle Strecke zu Fuß über Eis und Fels, wobei der gesamte Proviant und jegliches Zubehör mitgeführt werden. Anschließend muss die Gruppe eine hoch aufragende Felswand erklimmen und sich in den Eingang jeder Höhle abseilen, um Proben zu nehmen.

„Es ist großartig, dass wir von Rolex unterstützt werden. Eigentlich habe ich dieses Vorhaben, die nördlichsten Höhlen der Welt zu erkunden, schon seit vielen Jahren im Kopf, aber es ist praktisch unmöglich, dorthin zu kommen. Die Rolex Preise für Unternehmungsgeist sind eigentlich das einzige Programm, das eine solche Expedition unterstützen könnte oder würde.“

Rolex Preise für Unter­nehmungs­geist

Wir gratulieren den Preis­trägern 2021

Erfahren Sie mehr