Sich verdunkelndes Grönland

Joseph Cook

Ein sonderbares neues Leben erblüht auf dem Eispanzer Grönlands und befleckt tausende von Quadrat­kilometern makelloser weißer Landschaft mit einer unheimlichen Patina in Grün, Rot, Braun, Violett und Schwarz.

Für den britischen auf Glaziologie spezialisierten Mikrobiologen Joseph Cook birgt das Sprießen eines Regenwalds aus Mikro­organismen in der sich schnell erwärmenden Arktis nicht nur Geheimnisse und Schönheit, sondern auch eine Bedrohung. Die Farben reflektieren sowohl die unerwarteten Veränderungen durch menschliche Aktivität auf dem Planeten als auch die Gefahren eines schneller ansteigenden Meeres­spiegels und das damit einhergehende Versinken von Küstenstädten.

2016 wurde Cook als Rolex Nachwuchs­preisträger für seine bahnbrechende Forschung im Bereich der glazialen Mikrobiologie ausgezeichnet. Über die letzten vier Jahre hat er ein neues Licht auf die Rolle von Mikroorganismen beim Abschmelzen des nördlichen und südlichen Polareises sowie der Hochgebirgs­gletscher der Erde geworfen. Mit der Erderwärmung infolge des Kohlenstoff­austoßes der Menschheit erblüht mikrobisches Leben und bedeckt strahlende Eisflächen mit dunkleren Schattierungen.

„Weite Flächen der Arktis und Antarktis sind inzwischen farbig und dunkel – und Dunkles heizt sich in der Sonne schneller auf, sodass diese Flächen schneller abschmelzen“, erklärt Cook. „Wenn wir Drohnen, Flugzeuge und Satelliten einsetzen können, um zu verfolgen, welche Prozesse zu der Verdunkelung führen, dann können wir anfangen ein Modell zu entwickeln, das diese Verdunkelung aufschieben kann. Mit diesem Wissen können wir beginnen, über die Eindämmung oder Minderung der Gefahr nachzudenken.“

Mithilfe des Preisgeldes, das er als Preisträger 2016 erhielt, hat Cook eine wissenschaftliche Drohne konzipiert und gebaut, die entlegene Gebiete Grönlands beobachten kann, in die niemals ein Mensch vorgedrungen ist, während seine Arbeit im Labor neue Einblicke in die Entfaltung von Leben in einer der rauesten Umgebungen der Erde eröffnet hat.

„Wir verfügen jetzt über die nötigen Geräte und die Ausrüstung, um das Projekt weltweit auszudehnen“, so Cook. „Wir haben neue Erklärungen dafür, wie winzige Mikroben Gletscher und Eisschilde verdunkeln – in der Größenordnung ganzer Kontinente. Damit verfügen wir über eine bessere Grundlage für präzisere Modelle zu künftigen Entwicklungen und ihren Risiken weltweit.“

Bei der aktuellen Schmelzrate könnten die Meeresspiegel bis 2100 um mehrere Meter gestiegen sein – wodurch mehr als 300 Millionen Menschen aus ihrer Heimat verdrängt würden, wie beispielsweise aus New York, Shanghai, Tokyo, Rotterdam, London, Rio und Kalkutta. Bisher war der Einfluss der Biologie auf die Schmelzrate weitgehend unbekannt.

Cooks Forschung beschäftigt sich mit dieser versteckten Gefahr. Was er aus seiner Arbeit vor Ort und darüber hinaus über die weite Eisfläche Grönlands lernt, kann mithilfe von Satelliten und Super-Computern auf eine Studie des Eises und Schnees der ganzen Erde ausgeweitet werden. Dies wird wiederum zu einem weitaus klareren Bild vom Klimawandel führen – und davon wie dieser sich auf kritische Themen wie den Anstieg des Meeres­spiegels, die globalen Trinkwasser­reserven, die Sicherheit der Menschen und die Umwelt­gesundheit auswirkt.

Sein Projekt trifft vollkommen den Kern der Initiative Perpetual Planet von Rolex zur Unterstützung von Wissenschaftlern und Forschern, die bei dem Bestreben, die Umwelt zu verstehen und zu schützen, eine Vorreiterrolle einnehmen.

Auch wenn man die Menschen auf seine Seite bringt, so wird dies nicht unbedingt auch für deren Entscheidungs­träger in Politik und Geschäftswelt der Fall sein. Dies bleibt die eigentliche Herausforderung.Joseph Cook

Cook sagt, dass ihn der Rolex Preis mit für die Menschheit engagierten, inspirierenden Personen, ob aus Wissenschaft oder Geschäftsleben, Philanthropie oder Unternehmertum, zusammengebracht hat. Seine Kontakte zu anderen Preisträgern haben neue Wege der Forschung eröffnet, neue Ansätze zur Untersuchung der Möglichkeiten, einen nachhaltigen Planeten zu schaffen und dies der Gesellschaft zu kommunizieren.

Die Zukunft betrachtet Cook skeptisch: „Auch wenn man die Menschen auf seine Seite bringt, so wird dies nicht unbedingt auch für deren Entscheidungsträger in Politik und Geschäftswelt der Fall sein. Dies bleibt die eigentliche Herausforderung“, meint er. Jedoch machen ihm zwei Aspekte seiner Arbeit Hoffnung: „Zum einen die Menschen, mit denen ich arbeite, besonders in der Rolex Community“, so Cook. „Zum anderen die nunmehr verfügbaren Techniken der elektronischen Datenverarbeitung. Diese beiden Elemente führen zu massiven Fortschritten beim Verständnis, zusammen mit einem echten Sinn für die Dringlichkeit innerhalb einer Gemeinschaft, die die Fähigkeit besitzt, entsprechend zu handeln. Dies macht mir Hoffnung.“

VERÖFFENTLICHT: 2016

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