Brian GittaMalaria mithilfe von Schnelltests ohne Blutprobe diagnostizieren

Veröffentlicht: 2019clockLesezeit: 2min 28s
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Etwa 220 Millionen Menschen weltweit werden in diesem Jahr an Malaria leiden und fast eine halbe Million – davon hauptsächlich Kinder – werden daran sterben. Wenn es dem ugandischen IT-Spezialisten Brian Gitta jedoch gelingt, sein neu entwickeltes Gerät bereitzustellen, werden diese Zahlen sinken.

OrtUganda

Der Schlüssel für die erfolgreiche Behandlung von Malaria ist eine schnelle Diagnose. Aktuell braucht es für den Malaria-Test eine Blutprobe, ein Mikroskop sowie spezialisiertes Fachpersonal, um den Test im Labor auszuwerten – was jedoch in Entwicklungsländern nicht immer möglich ist. Deshalb haben Gitta und sein Team ein tragbares elektronisches Gerät entwickelt, das ohne Blutprobe in nicht einmal zwei Minuten eine verlässliche Diagnose liefert. Dieser neue Test bietet in Bezug auf Geschwindigkeit und Bequemlichkeit einen wesentlichen Vorteil, da der Mikroskopietest 30 Minuten oder länger dauert und die Blutproben unter Umständen an ein Labor in einer entfernten Stadt geschickt werden müssen.

Dabei haben Gitta und seine Kollegen auch ein starkes persönliches Interesse an dem Ergebnis: Jedes Mitglied aus seinem thinkIT-Team war bereits an der durch Moskitos übertragenen Blutkrankheit erkrankt. „Wir stammen alle aus der Subsahara-Region und haben viele Malaria-Vorfälle erlebt. Ich kann gar nicht genau sagen, wie oft ich seit meiner Kindheit schon an Malaria erkrankt bin“, so Gitta.

Der Weltgesundheits­organisation zufolge entfallen nahezu 80 Prozent der globalen Malaria-Erkrankungen auf 15 Länder in Subsahara-Afrika und Südasien. Fast die Hälfte aller Malariafälle treten in nur fünf Ländern auf: Nigeria (25 %), Demokratische Republik Kongo (11 %), Mosambik (5 %), Indien (4 %) und Uganda (4 %). Weltweit betreffen 61 Prozent der durch Malaria verursachten Todesfälle Kinder.

Die Begeisterung für Informations­technologie entwickelte Gitta bereits als Junge beim Spielen von Computerspielen. Als er vor einigen Jahren einen Malaria-Rückfall erlitt, kam ihm der Gedanke, dass er seine IT-Kenntnisse zur Lösung dieses lebensbedrohlichen Problems verwenden könnte.

Wir stammen alle aus der Subsahara-Region und haben viele Malaria-Vorfälle erlebt. Ich kann gar nicht genau sagen, wie oft ich daran seit meiner Kindheit schon erkrankt bin.

Nach fünf Prototypen­generationen hat er ein neues Gerät, das „Matiscope“, entwickelt, in das ein Patient seinen zuvor gereinigten Finger steckt, um seinen Malariastatus auslesen zu lassen. Mithilfe von Lichtsensoren und Magneten gelingt es dem tragbaren Gerät, Malariaerreger nachzuweisen. Der Parasit befällt rote Blutkörperchen und bildet beim Hämoglobin­abbau die kristalline Substanz Hämozoin. Diese Kristalle sind magnetisch, da sie ein Eisenatom in ihrem Kern aufweisen. Das Matiscope verwendet Magnete, um festzustellen, ob diese Kristalle im Blut des Patienten vorhanden sind. Gleichzeitig strahlt Infrarotlicht durch die Haut in den Finger und misst so die physischen Symptome der Malaria, also Veränderungen in Farbe, Form oder Konzentration der roten Blutkörperchen. Die Ergebnisse werden für den Erhalt einer schnellen Diagnose mit Hilfe künstlicher Intelligenz kombiniert, was insbesondere im schwer zu erkennenden Anfangsstadium der Krankheit wichtig ist. Diese Daten können sofort an staatliche Gesundheits­behörden, Medizinforscher und Pharma­unternehmen weitergegeben werden, um das Wissen und die Kontrolle über die Krankheit zu verbessern.

Das derzeitige Matiscope von Gitta erreicht eine diagnostische Genauigkeit von 80 % – für einen effektiven Einsatz auf diesem Gebiet müssen aber 90 % oder mehr erreicht werden. Gleichzeitig muss er die Ärzte – und die Patienten – davon überzeugen, dass seine nicht-invasive Technologie ebenso zuverlässige und dabei kosten­günstigere und schnellere Ergebnisse liefern kann, wie die Entnahme von Blutproben, an die sie seit langem gewöhnt sind.

Das Matiscope befindet sich derzeit in 2 klinischen Phase-II-Studien mit mehr als 300 Patienten, bei denen die Zuverlässigkeit im Vergleich zur besten bestehenden Diagnostik bestimmt wird. Gitta und sein Team haben in der Studie bisher über 50 Patienten behandelt und testen weitere Probanden. Ist das Gerät erfolgreich, wird es erst an mehr als 1.000 Menschen und nachfolgend an mehreren tausend Menschen getestet, um die Sicherheit und Wirksamkeit zu belegen. Danach plant Gitta, das Matiscope an Krankenhäuser in ganz Uganda und anschließend auch in Nachbarländer wie Kenia zu liefern. 2019 begannen sie mit der Entwicklung von Yotta, einer Plattform zur Bereitstellung von Malaria­überwachung in Echtzeit. In den letzten sechs Monaten erfassten sie in 10 Krankenhäusern Datenpunkte über die Malariadiagnostik, die Medikation und die Testergebnisse an mehreren Orten.

„Malaria ist eine heilbare Krankheit, wenn man weiß, dass man daran erkrankt ist. Eine rasche Diagnose ermöglicht es den Patienten, schnell zu handeln, und das kann ihr Leben und andere retten. Es erfüllt mich mit einer großen Zufriedenheit, im Kampf gegen die Malaria Veränderungen herbeiführen zu können. Eine sehr bewegende Erfahrung, die aber auch sehr viel Freude bereitet.“

  • 228 Millionen

    Malariafälle weltweit im Jahr 2018

  • 93 %

    in Afrika

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