Julien MeyerEine pfeifende Welt

Veröffentlicht: 2006icon-clockLesezeit: 1min 9s
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Unter dem Ansturm moderner Kommunikationsmittel gehen Pfeif- und Trommelsprachen immer schneller verloren. Sie werden heute nur noch an einigen isolierten Orten mit großer biologischer Vielfalt praktiziert. Der französische Bioakustiker und Linguist Julien Meyer setzt sich für den Erhalt dieser alten Kommunikationsmittel ein, die eine Schnittstelle zwischen Sprache und Musik darstellen.

OrtFrankreich, Vanuatu, Thailand, Mexiko, Kolumbien und Brasilien

Der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt, von Linguisten und Akustikern als Kuriosum eingestuft, existieren Pfeif- und Trommelsprachen seit Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden. In vielen, insbesondere abgelegenen Gegenden der Welt durchschneiden bisweilen laute, vogelartige Pfeiftöne oder harte Trommel-Sequenzen die Luft. Das sind sozusagen Ferngespräche, Nachrichten von einem Dorf ins andere.

Gepfiffene oder getrommelte Formen der Sprache gehören zu den Menschen, die sie benutzen. Sie sind faszinierend, weil sie seit Generationen ausgewählt und an das jeweilige Lebensumfeld angepasst wurden. Ich hoffe, zu einer Wiederbelebung ihres Glaubens an die eigene Kultur beizutragen.

Julien Meyer war fasziniert von dieser uralten Sitte, gesprochene Worte in Noten und Rhythmen umzusetzen, die sich in der Natur leichter übermitteln lassen. Er verwendete sein Können auf die Erhaltung eines guten Dutzends gepfiffener oder getrommelter Sprachen, die, obwohl sie sich stark vom gesprochenen Wort unterscheiden, für Eingeweihte einen klar verständlichen Diskurs darstellen. Meyer zeigte auch, dass diese Sprachen ein guter Indikator dafür sind, inwieweit traditionelles Wissen in bedrohten, wenig bekannten Regionen der Welt noch lebendig ist. Mit Hilfe des Rolex Preises baute er die interaktive Webseite „The World Whistles“ auf, ein Archiv mit Tonaufzeichnungen und Informationen, die diese vom Aussterben bedrohten Sprachen dokumentieren.

Außerdem brachte Meyer 2015 das Buch Whistled Languages: A Worldwide Inquiry on Human Whistled Speech heraus. Aktuell nimmt er im Rahmen des Marie Skłodwska Curie-Maßnahmenprogramms an einem Projekt namens „Icon-Eco-Speech“ des französischen Forschungszentrum CNRS (Centre Nationale de la Recherche Scientifique) in Grenoble teil.

  • 16

    Pfeif- und Trommelsprachen wurden von Julien Meyer dokumentiert

  • 30

    Kilometer weit kann eine Trommel-Botschaft übermittelt werden

Programm

Rolex Preise für Unternehmungsgeist

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