Grégoire CourtineQuerschnittgelähmten zu neuem Gehvermögen verhelfen

Veröffentlicht: 2019icon-clockLesezeit: 1min 47s
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Seit Menschengedenken bedeutete eine schwere Rückenverletzung den dauerhaften Verlust der Gehfähigkeit. Bis vor kurzem wäre es noch wie ein Wunder erschienen. Nun hilft ein französischer Medizinforscher mit Sitz in der Schweiz querschnitts­gelähmten Patienten, wieder zu gehen.

OrtSchweiz

Grégoire Courtine hat eine elektronische „Brücke“ konstruiert, die das Gehirn des Patienten nach einer Verletzung wieder mit dem lumbalen Rückenmark verbinden kann. Das mit Drahtlostechnik unterstützte System überträgt Signale vom Gehirn und steuert die Bewegung über die elektrische Stimulation des unteren Rückenmarks.

Diese gezielte Stimulation des unteren Rückenmarks kann eine Bewegung der Beine erzeugen, die mit den natürlichen Bewegungssignalen des Gehirns übereinstimmen.

Das neuroprothetische Brückenimplantat kann die willentliche Kontrolle über die Beinmuskulatur sofort wiederherstellen und eine intensive Gangrehabilitation ermöglichen. Dadurch wird wiederum das Wachstum von Nervenzellen im Rückenmark angeregt, was schließlich zu einer langfristigen Erholung der gelähmten Beinmuskeln führt und die Notwendigkeit der Brücke selbst verringert.

Ich werde solange an der Entwicklung einer Behandlung für Rückenmarks­verletzungen weiterarbeiten, bis es eine Heilung dafür gibt.

Grégoire Courtine

„Bewegung war für mich immer sehr wichtig, weil ich Sport liebe“, erklärt Courtine, der ein leidenschaftlicher Felskletterer und Fan von Extremsportarten ist. „Deshalb habe ich mich dazu entschieden zu untersuchen, wie das Gehirn Bewegungen kontrolliert.“ Inspiriert wurde er durch seine Arbeit bei der Christopher & Dana Reeve Foundation in den USA und besonders durch die Begegnung mit einem gelähmten, jungen Mann in Zürich.

„Ich konnte mich sehr gut mit ihm identifizieren, weil wir etwa im gleichen Alter waren. Da ich selbst ein begeisterter Sportler war, hat es mich sehr getroffen zu sehen, wie er diese Fähigkeit, die für mein eigenes Leben von so großer Bedeutung war, verloren hat. Als ich in diesem Moment mit einem Rollstuhlfahrer konfrontiert wurde, erkannte ich, dass ich den Rest meiner wissenschaftlichen Karriere in den Versuch investieren muss, eine Behandlung für Menschen mit Rückenmarks­verletzungen zu finden.“ Courtine hat bereits bewiesen, dass seine elektronische Brücke funktionieren kann. Mithilfe dieses Mechanismus verhalf er neun Langzeit­gelähmten, auf Krücken zu stehen und kurze Strecken mit diesen zu gehen. Die Patienten können die Brücke mit einer personalisierten Sprachsteuerung ein- und ausschalten, obwohl sie keine willentliche Kontrolle über die von ihr gesendeten Signale haben.

Das Konzept dieser Brücke ist in umfangreichen präklinischen Forschungsarbeiten validiert worden. Als nächsten Schritt und Wirksamkeits­nachweis wird Courtine eine klinische Studie mit vier Patienten durchführen, die seit mehr als einem Jahr gelähmt sind. Ziel ist es, die Beziehung zwischen den Signalen des Gehirns und der Stimulation des Rückenmarks besser zu verstehen.

Den vier Patienten wird dabei die elektronische Brücke implantiert und die elektrischen Stimulations­muster werden auf jeden einzelnen Patienten angepasst. Dann werden sie allmählich wieder gehen lernen, indem sie das Brücken­implantat und einen eingehängten Gurt benutzen.

Dieses Experiment wird die technologischen und konzeptionellen Rahmen­bedingungen schaffen, um ein vollständig implantierbares Verbindungsstück zwischen Gehirn und Wirbelsäule zu entwickeln. Es könnte eines Tages die herkömmliche medizinische Behandlung für Menschen werden, die aufgrund einer Rückgrat­verletzung nicht mehr gehen können und somit die Lebensqualität tausender Menschen verbessern.

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