Emma CampKorallenriffe durch Neuanpflanzung widerstandsfähiger Korallen retten

Veröffentlicht: 2019clockLesezeit: 2min 4s
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Führende Wissenschaftler warnen, dass die Korallenriffe der Welt aufgrund menschlicher Eingriffe und des Klimawandels ab den 2030er-Jahren weitgehend verschwunden sein könnten. Die Meeresbiologin und Forscherin Emma Camp ist jedoch entschlossen, ihnen das Gegenteil zu beweisen.

OrtAustralien

Die im Vereinigten Königreich geborene Forscherin erkundete weltweit unterschiedliche Lebensräume von Korallen und stellte fest, dass es ihnen gelingt, trotz extremer und lebensfeindlicher Wasserbedingungen an mehreren Orten zu überleben. Sie zeigt, wie diese „Hotspots widerstandsfähiger Korallen“ es möglich machen, die Riffe, die durch die Klimaerwärmung, säurehaltiges Wasser und andere vom Menschen verursachte Schäden zerstört wurden, wieder neu zu besiedeln.

„Korallen sterben weltweit durch den Klimawandel, säurehaltigere Ozeane und sauerstoffarme Gewässer. Aber während wir verzweifelt versuchen, die Kohlenstoff­emissionen der Menschheit zu senken, gibt es darüber hinaus nur sehr wenige Möglichkeiten, das Korallen­sterben zu verhindern“, erklärt Camp.

Camp stellte fest, dass einige Korallen unter extremen Bedingungen überleben können, die noch extremer sind, als die für die nächsten 200 Jahre vorhergesagten Bedingungen. „Wir finden jetzt gerade erst heraus, wo sie überleben. Wir müssen verstehen, wie und warum sie dort überleben – und wie wir ihre Fähigkeiten zur weltweiten Rettung von Korallenriffen nutzen können.“

Wir finden jetzt gerade erst heraus, wo sie überleben. Wir müssen verstehen, wie und warum sie dort überleben – und wie wir ihre Fähigkeiten zur weltweiten Rettung von Korallenriffen nutzen können.

Emma Camp

Im Jahr 2016 leitete Camp ein Taucherteam, das in Neukaledonien zum ersten Mal 20 Korallenarten dokumentierte, die unter Bedingungen gedeihen, die zuvor von Wissenschaftlern als zu heiß und zu giftig für ein Überleben angesehen wurden. Im Jahr 2019 veröffentlichte Camp die erste wissenschaftliche Studie, die zwei ähnliche extreme Korallenlebensräume am australischen Great Barrier Reef ausfindig machte.

Die meisten Korallen bevorzugen sauberes, kristallklares, temperatur­stabiles und sauerstoff­reiches Wasser mit niedrigem Nährstoff- und Sediment­gehalt. Die von ihr gefundenen Korallen leben und gedeihen in den lebens­feindlichen Wasser­bedingungen der Mangroven. Allem Anschein nach haben sie eine Widerstands­fähigkeit gegen die von Menschen verursachten Bedingungen entwickelt.

Durch die Bestimmung ähnlicher Hotspots widerstandsfähiger Korallen entlang des größten Korallenriffs der Welt, dem 2.000 km langen Great Barrier Reef in Australien, und durch die Erforschung des Verhaltens und der Genetik dieser extrem widerstandsfähigen Korallen, gewinnt Camp neue Erkenntnisse über die Mechanismen, die die Widerstandsfähigkeit der Korallen unterstützen. Dieses Wissen nutzt sie nun, um zu erfahren, wie es zur Wiederbesiedlung von Korallenriffen angewendet werden kann, die durch Korallenbleiche und andere Formen des Korallensterbens zerstört wurden.

„Ich glaube, wir müssen über den Tellerrand hinausblicken. Wir müssen zurück zur Natur finden, ihre Überlebens­mechanismen verstehen und dieses Wissen anschließend zusammen mit Innovation und Technologie nutzen, um zu schützen, was uns noch bleibt“, ergänzt sie.

Die in der Stadt aufgewachsene Camp sah ein Korallenriff zum ersten Mal, als ihr Vater sie im Alter von sechs Jahren mit auf einen Schnorchelurlaub in die Tropen nahm. „Im Wasser entdeckte ich eine ganz neue Welt, von der ich einfach überwältigt war. In diesem Moment waren meine Leidenschaft und meine tiefe Faszination für Korallenriffe geweckt.“

Fast drei Jahrzehnte später treibt sie diese Ehrfurcht und Liebe noch immer an: „Ich möchte einfach nicht zu der Generation gehören, die zugeben muss, dass wir die Korallenriffe verloren haben.“ Korallen sind nicht nur faszinierend und wunderschön – sie unterstützen auch Hunderte von Millionen von Menschenleben, fügt sie hinzu.

Emma Camp erkundet derzeit zwei neue Hotspots widerstandsfähiger Korallen im nördlichen Great Barrier Reef bei Low Isles und Howick Island, um die Korallen dort zu untersuchen, wesentliche Merkmale ihrer Widerstandsfähigkeit zu bestimmen und zum ersten Mal zu versuchen, sie in Gebiete zu verpflanzen, die vom Massensterben der Korallen betroffen sind. Unterstützt von Bürger­wissenschaftlern in Form von lokalen Ökotourismus­betreibern beobachtet sie, wie die Korallen überleben und ob sie sich an zerstörten Orten wieder ansiedeln und ihre Widerstandsfähigkeit in der neuen Heimat bewahren können.

Erweisen sich ihre Theorien als richtig, plant sie die Schulung vieler lokaler Akteure und Ökotourismus-Gemeinden im Bereich der Sanierung von Korallen zur Wiedergutmachung von durch menschliche Eingriffe verursachter Schäden.

  • 2000 km

    Ausdehnung des australischen Great Barrier Reef

  • 20

    Korallenarten, die Camp identifiziert hat, leben von Natur aus unter extremen Bedingungen

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