Luiz Rocha

Rolex Preisträger 2021

Erforschung und Schutz von Tiefsee­­­korallen­riffen im Indischen Ozean

Etwa hundert Meter oder mehr unter der Meeres­oberfläche der Malediven liegt eine Dämmerungs­zone, deren erstaun­liche Korallen und bizarre Lebens­formen nach wie vor unerforscht sind. Bei einer Tauch­expedition, die in dieser Form noch nie unternommen wurde, will Luiz Rocha, ein führender Experte bei der Erforschung von Fischen, diese Tiefwasser­riffe untersuchen, um neue Arten zu finden, sie zu beschreiben und Argumente für deren Schutz zu liefern.

Schon seit seiner frühesten Kindheit an der brasilianischen Küste beflügelte das Meer Luiz Rochas Fantasie und brachte ihn schließlich dazu, die komplizierten Tauchtechniken zu erlernen, die erforderlich sind, um Tiefen von 150 Metern unter der Meeres­oberfläche zu erreichen. In diesem halbdunklen Reich gedeiht unbekanntes Leben – darunter auch große Korallen­wälder, die für eine Vielzahl von noch unerforschten Fischen und andere Meeres­bewohner Kinderstube und Nahrungs­grund zugleich sind.

Auf der Suche nach diesen sogenannten mesophotischen Riffen plant er nun eine bahnbrechende Expedition im Indischen Ozean, bei der die tieferen Bereiche der Malediven-Atolle, die lange als eines der letzten Korallen­refugien der Erde galten, erforscht werden sollen. Weltweit ist nur sehr wenig über mesophotische Riffe bekannt und überhaupt nichts über jene Riffe, die mehr als 60 Meter unter dem Meeres­spiegel des Indischen Ozeans liegen, sodass Rocha einen für den Menschen bislang unbekannten Lebensraum erkunden wird.

Ich möchte sie [Korallenriffe] schützen, weil sie einzigartige Ergebnisse eines evolutionären Prozesses sind, der Millionen und Abermillionen von Jahren gedauert hat. Für mich sind sie wie Kunstwerke.

Luiz Rocha

Wie jede moderne Forschungs­expedition ist auch das Abtauchen in die Dämmerungs­zone riskant, technisch und körperlich anspruchsvoll und erfordert ein hohes Maß an Disziplin, Entschlossenheit und Können. Rocha besitzt diese Fähigkeiten und konnte sie perfektionieren, indem er bei mehr als 70 wissenschaftlichen Expeditionen weltweit, von denen er die Hälfte leitete, über 6.000 Stunden unter Wasser verbrachte.

Durch die Auswirkungen des Klimawandels sterben auf der ganzen Welt Korallenriffe im Flachwasser­bereich ab. Da aber das gesamtwirtschaftliche Einkommen der Malediven stark vom Korallen­tourismus und der Fischerei abhängt, interessiert sich die dortige Regierung sehr dafür, wie dieses wertvolle nationale Gut geschützt werden kann und ob Tiefwasser­riffe als Zufluchtsort für Oberflächen­korallen und die in ihnen lebenden Meerestiere dienen können.

„Da wir nichts über Tiefsee­korallen­riffe wissen, stehen die meisten von ihnen nicht unter Schutz. Selbst an Orten wie den Malediven sind die meisten Tiefwasser­riffe nicht geschützt, weil die Regierung größtenteils nicht einmal weiß, dass es sie gibt“, so Rocha. Seine erste Aufgabe besteht darin, in die halbdunklen Tiefen vorzudringen, sie kartografisch zu erfassen und herauszufinden, was genau dort vorhanden ist. Ausgehend von früheren Expeditionen rechnet er damit, eine Fülle neuer Fischarten und Meeres­organismen zu entdecken, die unser Verständnis für das Leben auf der Erde bereichern.

„Ich möchte sie schützen, weil sie einzigartige Ergebnisse eines evolutionären Prozesses sind, der Millionen und Abermillionen von Jahren gedauert hat. Für mich sind sie wie Kunstwerke.“ Die Tiefseeriffe enthalten möglicherweise auch neuartige Chemikalien für die Humanmedizin und sind eine wichtige Nahrungsquelle für Inselstaaten. Sie dienen als Maßstab, um die Gesundheit des Meeres angesichts des zunehmenden menschlichen Einflusses zu beobachten. Seine Entdeckungen werden für die Gestaltung von Meeresschutz­gebieten weltweit nützlich sein.

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