Sternenhimmel in der Tiefe

Brad Norman

Vom bedrohten Walhai, dem größten Fisch der Welt, wusste man wenig, bis der australische Meeres­biologe Brad Norman herausfand, wie man einzelne Tiere anhand eines von NASA-Wissen­schaftlern entwickelten Algorithmus identifizieren und verfolgen kann.

Brad Norman hat über ein Viertel­jahrhundert lang den mächtigsten Fisch der Meere untersucht, den geheimnisvollen Walhai, mit Faszination, Hingabe und der Entschlossenheit, diesen zu schützen.

Im Jahr 2006 erhielt der australische Meeres­forscher einen Rolex Preis für Unternehmungs­geist, der es ihm ermöglichte, ein weltweit erstes Wissen­schafts­projekt für Bürger zu schaffen, in dessen Rahmen die seltenen und kryptischen Riesen beobachtet, entschlüsselt und aufgezeichnet werden, um sie zu schützen.

„Als ich zum ersten Mal ins Wasser sprang und mit einem Walhai schwamm, ihn sehen und erleben konnte, Seite an Seite mit dem größten Fisch des Meeres, war ich überwältigt“, erzählt er. „Schon früh glaubte ich, dass ich zur Erhaltung dieser Art beitragen könnte.“

Dirk Hartog Island vor der Küste Westaustraliens ist ein bekannter Tummelplatz für Walhaie.

Bei der Beobachtung von Walhaien vor dem Ningaloo-Riff in West­australien hatten es Norman die weißen „Sterne“ angetan, die die graue Haut des Tieres sprenkeln: Jeden Fisch schien ein verschiedenes Muster zu zieren. Mithilfe der im Hubble Weltraum­teleskop angewandten Mathematik hat er bei der Erfindung eines einzig­artigen Systems zur Identi­fizierung und Auf­zeichnung einzelner Walhai-Exemplare geholfen, die von Beobachtern irgendwo auf der Erde fotografiert wurden.

Heute enthält diese Datenbank 75.000 Aufzeichungen von Sichtungen von 12.000 Hai-Exemplaren, die von 9000 Bürger­wissenschaftlern, Forschern und Freiwilligen in 54 Ländern fotografiert wurden, und stellt damit einen der größten Datensätze über eine einzelne Art der Meeresfauna dar. Damit konnten Hotspots von Walhaien weltweit ausfindig gemacht werden.

Brad Norman erklärt Markierungs­techniken für Walhaie, die größten Fische der Welt.

Das Projekt steht für die Initiative „Perpetual Planet“ von Rolex, durch die Menschen und Organisationen unterstützt werden, die Forschung und Entdeckung nutzen, um Lösungen für den Schutz der Natur zu finden.

Ich möchte mehr über unsere Ozeane herausfinden und die Arten, die sie beheimaten, sodass wir sie für die kommenden Generationen erhalten können.Brad Norman

„Walhaie sind geheimnisvoll. Sie sind sanfte Riesen, aber auch eine Art, von der wir so wenig wissen“, erklärt Norman. „Ich möchte mehr über unsere Ozeane herausfinden und die Arten, die sie beheimaten, sodass wir sie für die kommenden Generationen erhalten können.“ Er gesteht, dass ihn der Anblick eines der enormen, aus der Tiefe auftauchenden Wesen noch immer in Aufregung versetzt.

Laut Norman hat der Rolex Preis seine Forschung vorangetrieben, indem er ihm eine Partnerschaft mit einem anderen Preisträger von 2006, Professor Rory Wilson, ermöglicht hat – eine wissen­schaftliche Premiere, die das faszinierende Fenster zum geheimen Leben des Walhais öffnet.

Brad Norman arbeitet mit Rory Wilson (links) zusammen, der ebenfalls ein Rolex Preisträger von 2006 ist. Wilsons „Daily Diary“-Markierungen werden weltweit verwendet, um das Verhalten von Tieren zu beobachten.

Der riesige Fisch wurde mit Wilsons elektronischer Markierung, quasi einem „Tagebuch“, versehen, die es den beiden Wissenschaftlern erlaubte, erstmals das Verhalten des Walhais außerhalb der menschlichen Sichtweite zu beobachten. Seitdem hat Norman Walhaie mit Satelliten­markierungen, Kameras und Sensoren bestückt, um ihre Gewohn­heiten zu erforschen und neue Erkenntnisse über ihre Population und Ökologie zu gewinnen.

Durch den Einsatz von Hightech-Satelliten­markierungen konnte Norman einzelne Fische verfolgen, die Tausende von Kilometern wanderten, und er hofft, dass die sich daraus ergebenden Muster aufdecken werden, wo die Brutstätten der Haie liegen, damit sie geschützt werden können.

Neben seinem wissenschaftlichen Beitrag ist Norman auch führend beim globalen Bemühen zum Schutz des Walhais. Er erarbeitete Berichte, aufgrund derer der Fisch auf die Rote Liste der International Union for the Conservation of Nature (IUCN) aufgenommen wurde – zunächst als „potenziell gefährdet“, dann als „gefährdet“. Er half auch dabei, Vorschriften zum gesetzlichen Verbot des Handels von Walhai-Produkten zu verfassen und beriet mehrere Länder bei der Erstellung von Richtlinien, um ihre Walhaie zu schützen.

Norman hat nicht nur Tausende von Bürger­wissenschaftlern für seine Sache, die Erforschung des Hais, gewonnen, sondern auch Aufklärungs­kampagnen im Internet entwickelt, in deren Mittelpunkt der Schutz der Meere steht und die sich an Schulkinder richten. Sein Wettbewerb Whale Shark Race Around the World (Walhai-Rennen um die Welt) bietet Schulen die Möglichkeit, einen markierten Hai zu adoptieren und ihm über eine Satelliten­übertragung durch die Ozeane zu folgen, um zu schauen, welcher Hai innerhalb einer bestimmten Zeit die größten Strecken zurücklegt.

„Es geht darum, Interesse bei der jungen Generation zu wecken, ihr einen Antrieb und einen Willen zu verleihen“, meint Norman. „Also darum, den Menschen die Schönheit unserer natürlichen Umgebung zu zeigen, sie in diesem Sinne zu erziehen und sie zu ermutigen, bewusster mit ihr umzugehen und sie zu schützen.“

Der Rolex Preis hatte großen Einfluss auf das Profil des Projekts und wird uns hoffentlich dabei helfen, soweit zu kommen, dass eine Art tatsächlich gerettet wird.Brad Norman

„Der Rolex Preis hatte großen Einfluss auf das Profil des Projekts und wird uns hoffentlich dabei helfen, soweit zu kommen, dass eine Art tatsächlich gerettet wird.“

VERÖFFENTLICHT: 2006

Sternenhimmel unter Wasser

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